Meine regelmäßigen Beiträge im „The Journal of Sexual Medicine“ finden immer großen Anklang. Daher gebe ich nun auch hier von Zeit zu Zeit eine Kostprobe davon. Heute geht es um das Thema „Deskriptive und longitudinale Analyse von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr in der Schwangerschaft.“

Diese Studie ist die erste, die sich systematisch mit der Prävalenz von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr in der Schwangerschaft befasst. Überraschenderweise wurden Schmerzen beim Geschlechtsverkehr bei schwangeren Frauen in der Literatur weitgehend ignoriert. Dies führt zu der Frage, warum? Liegt es daran, dass eine schwangere Frau sich schämt, sexuelle Probleme während der Schwangerschaft anzusprechen, oder liegt es daran, dass die Schmerzperiode “nur” auf die Zeit der Schwangerschaft begrenzt ist, also nur 9 Monate? Oder noch schlimmer, liegt es daran, dass schwangere Frauen als “produzierende” Mütter angesehen werden, die keine sexuellen Wünsche und Bedenken haben? Was auch immer die Antwort ist, sie unterstreicht die Bedeutung dieses Themas.

Die Studie eröffnet aber auch andere wichtige Punkte. Aus gynäkologischer Sicht wäre es interessant, eine klinische Korrelation zu dem beschriebenen Schmerzprofil zu haben. Im Verlauf der Schwangerschaft leidet beispielsweise die Mehrzahl der Schwangeren an einem Ödem der Vulva und der Vagina. Dies führt in der Folge zu störenden Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Für die Patientin ist dies also eine logische Erklärung. Dies führt zu der Frage, ob die Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, die sich leicht durch die Physiologie einer Schwangeren erklären lassen, pathologisiert werden sollten. Manchmal ist es auch die unausgesprochene Angst des Paares, dem Baby durch den Sex zu “schaden”. Nach meiner Erfahrung ist der Informationsaustausch zwischen Gynäkologe und Patientin in dieser Hinsicht sehr wichtig. Die Information der Patientin, die das PLISSIT-MODELL widerspiegelt, löst in den meisten Fällen den Stress und die Schmerzen.

Vielleicht könnten sich zukünftige Studien mit dem Zusammenhang zwischen Schmerz und Klinik der Schmerzen beim Geschlechtsverkehr bei schwangeren Frauen beschäftigen. Darüber hinaus wäre die systematische Analyse von Behandlungsstrategien, wie das PLISSIT-MODELL, Strategien zum Abbau von Ängsten, vaginale Feuchtigkeitscreme, körperliche Aktivitäten oder der Wechsel der Sexualstellung interessant und würde dem behandelnden Arzt einen Werkzeugkasten an die Hand geben.

Quelle: The Journal of Sexual Medicine

 

Descriptive and Longitudinal Analysis of Pain During Intercourse Across Pregnancy

My regular reviews in “The Journal of Sexual Medicine” are always appreciated. Today’s topic is “Descriptive and longitudinal analysis of pain during sexual intercourse during pregnancy.” 

This study is the first to systematically address the prevalence of pain during intercourse in pregnancy. Surprisingly, pain during intercourse in pregnant women has been largely ignored in the literature. This leads to the question why? Is it because a pregnant woman feels shameful addressing sexual problems during her pregnancy or is it because the period of pain is “only” limited on the period of pregnancy, so just 9 months? Or even worse, is it because pregnant women are seen as “producing” mothers not having sexual desires and concerns? Whatever the answer is, it underlines the importance of this topic.

However, the study opens other important points. From the gynecological perspective it would be interesting to have a clinical correlation to the described pain profile. During the course of pregnancy the majority of pregnant women, for example, suffer from an edema of the vulva and vagina. Consequently, this leads to disturbing pain during intercourse. Thus, this gives a logical explanation for the patient. This leads to the question, if pain during intercourse, which can be easily explained by the physiology of a pregnant woman, should be pathologized. Sometimes it is also the unspoken fear of the couple to “harm” the baby by having sex. To my experience, the exchange of information between gynecologist and patient is very important in this regard. Reflecting the PLISSIT MODEL, the information to the patient releases the stress and pain in the majority of cases.

Maybe future studies could address the correlation between pain and clinic of pain during intercourse in pregnant woman. Further, the systematic analysis of treatment strategies, such as the PLISSIT MODEL, fear reducing strategies, vaginal moisturizer, physical activities, or switching sexual positions would be interesting and would give a tool box to the treating physician.

Source information: The Journal of Sexual Medicine