Leiden im Stillen

Statistisch gesehen ist Migräne in hochentwickelten Ländern eine der häufigsten Erkrankungen. Worte wie Anfall oder Attacke haben für Menschen, die darunter leiden, eine ganz eigene Bedeutung. Kommt so eine Attacke, dann geht meist nichts mehr. Der Schmerz ist einfach zu groß, um den Alltag zu bewältigen. Weltweit leiden etwa 10-15 % aller Frauen und Männer darunter. Alleine in Deutschland gibt es schätzungsweise mehr als 8 Millionen Betroffene.

Frauen sind gut doppelt so häufig betroffen wie Männer. hierzu bestehen zwei Hypothesen:

1. Die Hormone

So kann die betroffene Patientin anhand eines Kopfschmerzkalenders erkennen, ob die Migräneattacken beispielsweise zum Zeitpunkt der Menstruation oder kurz vorher vorkommen. Diese werden dann durch einen Abfall des Östrogenspiegels ausgelöst.

Eine Umstellung der Pille beziehungsweise des Einnahmemodus kann in diesem Fall zur Reduzierung der Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken führen. Aus diesem Grund ist die Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen der Neurologie und Frauenheilkunde sehr wichtig, um der Patientin optimal helfen zu können.

2. Die Gene

Es wird davon ausgegangen, dass Migräne genetisch bedingt ist. Die These lautet: Informationen und Eindrücke von Migräne Patienten werden anders verarbeitet. Vereinfach ausgedrückt werden die Umwelteinflüsse anders, stärker wahrgenommen. Das Gehirn ist überfordert und schützt sich durch den Anfall. Der Betroffene wird von seiner Umwelt durch die Migräneattacke zwangsabgeschirmt.

Die Behandlung der Migräne besteht aus drei Säulen:
1. Nicht medikamentöse Therapie
2. Attackenbehandlung
3. medikamentöse Prophylaxe
Bei der nicht medikamentösen Therapieoption für die Migräne Patienten ist es wichtig beeinflussbare Triggerfaktoren an sich kennen zu lernen wie zum

Beispiel Stress, Mahlzeiten und Veränderung der Schlafverhaltens. Regelmäßiger Ausdauersport hilft oftmals. Fazit: Ein ausgeglichener Lebensstil sollte so- mit idealerweise zur Verbesserung der Migräne beitragen. Außerdem haben die Akupunktur, ausgewählte Entspannungsverfahren, physikalische Therapie einen nicht unwichtigen Stellenwert.

Bei der Akutbehandlung haben Triptane die beste Wirksamkeit. Häufig werden auch Schmerzmittel wie nicht wie nichtopiodanalgetika und nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac eingesetzt.

Bei der medikamentösen Prophylaxe haben natürliche Substanzen wie Magnesium, Riboavin und Coenzym Q10 ein günstiges Nebenwirkungsprofil. Als Prophylaxe werden auch auf das Serotoninsystem wirkende Medikamente, Beta Blocker, Calciumantagonisten und Antiepileptika wie zum Beispiel Topiramat eingesetzt.

Der richtige Arzt und die richtige Diagnose
Obwohl der Leidensdruck riesig ist und die Lebensqualität enorm beeinträchtigt ist, erleiden die meisten Patienten diese im Stillen. Das muss aber nicht sein. Mit der richtigen Diagnose durch einen Facharzt und der daraus resultierenden Therapie können deutliche Linderungen erreicht werden.